» » » Der Südwesten Australiens – Wave Rock, Kalgoorlie und Esperance

Der Südwesten Australiens – Wave Rock, Kalgoorlie und Esperance

gepostet in Geschichten, Ozeanien 8

Bevor ich mich endgültig Richtung Osten nach Adelaide aufmache, gilt es natürlich noch die nähere Umgebung ganz im Südwesten von Australien zu erkunden. Wobei der Begriff „nähere Umgebung“ in diesem riesigen Land sehr relativ ist, wie ich schnell feststelle. Selbst mit Auto sind die Distanzen eher in Tagen als in Stunden zu kalkulieren.

Aber der Reihe nach. Als ich Albany verlasse, sieht mein Plan vor, dass ich mich entlang der Küste nach Osten „hangel“. Viele Nationalparks, schöne Strände und hoffentlich auch viele Meeresbewohner soll es nach Phils Aussagen dort zu sehen geben. Weiterhin hat die Küste den entscheidenden Vorteil, dass es nicht ganz so heiß wie im Landesinneren ist. Also lautet mein nächstes Ziel erst einmal Norman Beach, wo ich ganz entspannt nächtige.

Der nächste Morgen bringt allerdings nicht nur recht kühles Wetter, sondern vor allem auch einen immer wieder einsetzenden Nieselregen. Nicht gerade das perfekte Wetter, um Strände zu erkunden! Etwas missmutig mache ich mich trotzdem auf zum ganz in der Nähe (diesmal wirklich!) gelegenene Waychinicup Natonal Park. Ich laufe ein wenig am Strand entlang und entdecke bei einigen Felsen ein paar Krabben. Fasziniert bin ich in die Beobachtung der Krabben vertieft, als plötzlich ein Kopf aus dem Wasser auftaucht. Eine Robbe guckt mich an und verschwindet gleich darauf wieder. Doch sie taucht noch ein paar Mal auf und vergewissert sich, dass dieser Mensch dort wirklich im Nieselregen sitzt.

Nach diesem unerwarteten und schönen Erlebnis steige ich beschwingt wieder ins Auto und setze meine Reise fort. Doch es hat wenig Sinn, den gefassten Plan bei diesem Wetter weiter zu verfolgen. Und da ich das Wetter nicht ändern kann, ändere ich statt dessen kurzerhand den Plan. Nun geht es landeinwärts Richtung Wave Rock. Ein typisches Touristenziel ca. 350 km im Norden.

Doch auch auf dem Weg dorthin gibt es einiges zu sehen. Zum Beispiel die seltenen Malleefowl in Ongerup, deren deutscher Name „Thermometerhuhn“ lautet (kein Witz!). Der Name leitet sich von der recht einzigartigen Brutmethode ab. Mehr dazu bei Wikipedia. Oder auch den „Tin Horse Highway“. Das ist eigentlich eine normale Landstraße, deren Anwohner aber aus ihren Metallabfällen lustige Pferdeskulpturen gebaut haben. Es macht wirklich Spaß, sich diese kreativen Gebilde anzusehen! Und dann natürlich noch die ganzen Salzseen in der Region, von denen viele aufgrund der in ihnen lebenden Bakterien eine rosa Farbe haben.

Wave Rock selbst hingegen enttäuscht mich ein wenig. Die Felsformation sieht wirklich wie eine versteinerte Ozeanwelle aus, aber das war es dann auch schon. Sie ist aber recht klein und auch die Umgebung ist eher uninspirierend. Ich fahre weiter nach Norden, um mir noch eine Höhle mit vielen Handabdrücken von Aborigines anzusehen, aber auch das liest sich auf dem Papier interessanter, als es sich in Natura darstellt. Schön und informativ sind allerdings die beiden kurzen Wanderwege in der Gegend. Sie gehen viel auf die Traditionen und Lebensweise der Ureinwohner Australiens ein.

Mein nächster Stopp soll nun Kalgoorlie sein, wo ich Australiens größte, oberirdische Goldmine besuchen möchte. Doch zum Highway zu gelangen, der dort hinführt, sind erst einmal ca. 140 km Staubstraße angesagt. Diese unasphaltierten, aber meist zumindest eingeebneten Straßen finden sich in Australien immer dort, wo nicht viele Leute leben oder langkommen. In Westaustralien ist das natürlich häufig der Fall, so dass ich in den nächsten Tagen viele Kilometer auf ihnen zurücklege. Auf diese Art finde ich übrigens auch heraus, dass die Abdichtung des Kofferraums nicht mehr richtig funktioniert, denn dessen Inhalt ist bald von einer ansehnlichen Staubschicht überzogen. Die Staubstraßen selbst sind meist erstaunlich gut in Schuss, so dass man problemlos mit 80 – 90 Kilometer in der Stunde dahinfegen kann – im wahrsten Sinne des Wortes übrigens, wie ein Blick auf die imposante Staubwolke im Rückspiegel offenbart.

Ganz bis Kalgoorlie schaffe ich es an diesem Tag nicht mehr und so suche ich mir eine Campinggelegenheit. Hier macht sich der Atlas bezahlt, denn ich mir in Albany zugelegt habe. Denn er enthält neben den Straßen auch die verfügbaren Campingmöglichkeiten. Eine Vielzahl davon ist auch kostenlos, was natürlich ebenfalls sehr praktisch ist.

In Kalgoorlie angekommen, erfahre ich in der Touristeninformation, dass genau heute die große Weihnachtsparade auf der Hauptstraße stattfindet. So stehe ich ein paar Stunden später mit vielen anderen bei 38 Grad in der prallen Sonne und schaue mir die vorbeiziehenden Menschen und Vehikel an (darunter auch ein gigantischer Truck aus der Goldmine), während die Lautsprecher typische Weihnachtslieder ausspucken. Gesang von Schnee, Rentieren, Schlitten und ähnlichen Dingen wirkt in diesem Klima allerdings recht deplaziert.

Am nächsten Tag ist es erst mal Zeit für meinen ersten Museumsbesuch im Land. Die Führung ist eher durchschnittlich, aber das Museum selbst stellt sich dann als sehr interessant heraus. Kalgoorlie ist nicht nur eine wichtige Goldgräberstadt in Australien, sondern die Region hat auch reiche Fossilienfunde und eine lange Besiedlung durch die Ureinwohner zu bieten. Zusätzlich begeht man aktuell überall in Australien (und der Welt) den einhundersten Jahrestag des Beginns des ersten Weltkrieges. Und auch darüber findet sich viel im Museum.

Dass ich es dann doch irgendwann verlasse, liegt an meinem Termin im Bordell. Das kann man in Kalgoorlie nämlich ebenfalls besichtigen und die Führung startet um 15 Uhr. Ein sehr interessanter Einblick in einen ganz anderen Teil des Lebens. So richtig „verführt“ sie mich dann aber doch nicht zu einem erneuten Besuch zu den offiziellen Öffnungszeiten.

Stattdessen buche ich die Tour in der Superpit, besagter Goldmine in der Nähe. Diese „Grube“ ist wirklich riesig und sehr beeindruckend. Wenn man dann noch hört, dass eine Tonne Material aus ihr gerade einmal knapp 3 Gramm Gold enthält, kann man sich schwerlich vorstellen, dass sich der ganze Aufwand lohnt. Doch offenbar ist unsere Gier nach diesem Metall groß genug. Auf jeden Fall sehr spannende, lehrreiche und sehr, sehr warme drei Stunden.

Abkühlung tut also Not. Also wieder ab ins Auto, dessen Klimaanlage ja nicht funktioniert, und mit offenen Fenstern ab nach Esperance, schlappe 450 km von Kalgoorlie entfernt. An der dortigen Küste soll es ja die schönsten Strände von Westaustralien, vielleicht sogar von ganz Australien geben. Und nach all der Hitze im Landesinneren sehe ich mich nach einem Bad im Ozean!

Und wirklich stellt sich der Cape Le Grand National Park mit seinen Stränden Lucky Bay, Hellfire Bay und Thistle Cove als atemberaubend schön heraus. Der Strand ist teilweise so weiß, dass es selbst durch die Sonnenbrille weh tut, ihn längere Zeit anzuschauen. Auch der die drei Strände verbindende Wanderweg ist sehr schön.

Der örtliche Campingplatz von Lucky Bay beherbergt zwar viele Nationalitäten, aber die Deutschen sind wohl in der Überzahl. Ich treffe hier unter anderem auch auf Klaus, einen Berufsschullehrer aus der Nähe von Frankfurt. Ein Treffen mit späteren Folgen, viele Kilometer entfernt.

Doch hier und jetzt ist erst mal baden angesagt! Ich leihe mir dazu von einem Australier noch die passende Schnorchelausrüstung und ab geht es ins kühle Nass. Nach längerer Suche kann ich im kristallklaren und türkisfarbenen Wasser sogar ein paar Fische entdecken. Irgendwann wird es doch etwas kühl, so dass ich mich an den Strand zurückziehe. Den haben hier die Menschen übrigens nicht für sich alleine, sondern teilen ihn mit Kängurus. Genau wie auch den Campingplatz. Die Tiere sind dabei schon so intensiv an die Menschen gewöhnt, dass man ihnen recht nahe kommen kann.

Zum Abschluß meines Aufenthaltes gibt es dann noch einen bezaubernden Sonnenuntergang, bei dem die Sonnen sprichwörtlich im Meer versinkt. Kein schlechtes Ende für meinen Road Trip durch den südwestlichen Zipfel von Australien. Ein wirklich schöner Flecken Erde, doch nun ist es Zeit weiter Richtung Osten zu ziehen.

8 Responses

  1. christiane
    | Antworten

    Gruesse & happy new year aus Amerika. Ich freu mich dass Du Dich fuer ein Auto und gegen das Fahrrad entschieden hast :))
    Weiterhin tolle Erlebnisse!

    • Robert
      | Antworten

      Hallo Christiane,

      auch Euch ein glückliches, erfolgreiches und entspanntes 2015! Die Entscheidung für das Auto war wirklich gut, denn mit dem Fahrrad hätte ich diese gigantischen Strecken niemals in so kurzer Zeit zurücklegen können.

  2. Angelika Kottusch
    | Antworten

    Auch von mir herzliche Gruesse und Wuensche zum neuen Jahr, auf dass Du weiterhin so tolle Erlebnisse haben wirst und uns auch 2015 mit interessanten Frischluftgeschichten (inklusive wunderschönen Fotos!) versorgen kannst! Merci et Joyeuse Année 2015! Angelika

    • Robert
      | Antworten

      Hallo Angelika,

      danke auch für Deine Wünsche! Auch für Dich alles Gute für das neue Jahr! Was die Geschichten und Fotos angeht, so werde ich mir Mühe geben. :-)

  3. Kirsten
    | Antworten

    Lieber Robert,
    ach bei den Bildern kommt das Fernweh. Australien ist schön und mir hat Westaustralien und Nordaustralien sehr gut gefallen. Die Strände sind der Hammer und ich mag auch die Weitläufigkeit.
    Dir wünsche ich ein tolles 2015, mit aufregenden Erlebnissen und guten Entscheidungen.
    Herzliche Grüße
    Kirsten

    • Robert
      | Antworten

      Hallo Kirsten,

      Ja, Australien ist wirklich sehr schön! Zumindest der kleine Teil, den ich bisher gesehen habe. ;-) Auch Dir ein wunderbares und erfolgreiches 2015 und viele Grüße an alle Bekannten, die Du so triffst!

      Robert

  4. Olaf
    | Antworten

    Hallo Robert,
    auch ich wünsche Dir einen guten Einstieg ins Jahr 2015 und das Du, wann auch immer, mit vielen tollen Eindrücken und vorallem wohlbehalten hier wieder ankommst. Vielleicht ist bis dahin auch das Wunder des Wiederaufstiegs unseres Lieblingsvereins schon Realität….ein bisschen träumen ist ja erlaubt.

    Viele Grüße aus dem schönsten Freistaat der Welt

    Olaf

    • Robert
      | Antworten

      Hallo Olaf,

      danke für Deine Neujahrswünsche! Auch Dir ein tolles und erfolgreiches neues Jahr! Und mal schauen, wie sich unser Lieblingsverein weiterhin so schlägt! ;-)

      Viele Grüße

      Robert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.