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Albany und Umgebung

gepostet in Geschichten, Ozeanien 4

Den Bibbulmun Track hatte ich vollendet und mit ihm endete auch der durchgeplante Teil meiner Reise. Nun galt es kurzfristig, mich wieder zivilisationstauglich aufzubereiten und langfristig, eine Idee meines weiteren Reiseverlaufs zu entwickeln.

Der kurzfristige Teil wurde im örtlichen Hostel schnell und routiniert erledigt. Da ich aber nur mit Wanderausrüstung unterwegs war, die natürlich zur Gewichtsoptimierung auf ein Minimum beschränkt ist, ging ich auf Klamotten-Shoppingtour. Um aber wenigstens etwas Spaß dabei zu haben, beschloss ich, dieses Mal Second Hand – Läden (oder Pre-Loved Fashion, wie es jetzt heißt) einmal eine Chance zu geben. Es reichte ja, wenn die Sachen für die Reise durchhielten.

Erstaunlicherweise gab es in Albany allerhand solcher Läden und so wurde ich schnell fündig (was sicher auch an keinem allzu großen modischen Anspruch lag). T-shirts, Badehose, Pullover und ein bisschen Kleinkram. Fertig!

Nachdem das erfolgreich geschafft war, stand die Reiseplanung an. Das gestaltete sich etwas komplizierter. Meine Versuche, bereits während der Wanderung interessante Reisegefährten mit Auto zu finden, die dann auch noch zu spannenden Zielen unterwegs waren, schlugen leider alle fehl. Generell wollte ich Richtung Osten, da der Norden aufgrund von Hitze und Regenzeit ausschied. Und südlicher bzw. westlicher als Albany ging es ja kaum noch.

Aufgrund der riesigen Entfernungen und der dürftigen Ausstattung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, gab es eigentlich nur drei realistische Optionen. Entweder weiter nach genannten Reisepartnern suchen, einen Mietwagen nehmen oder ein Auto kaufen. Die erste Option probierte ich zwei Tage via Internet, aber von Albany aus fuhr niemand. Option zwei erwies sich schnell als zu teuer bzw. unpraktisch. Also freundete ich mich gedanklich immer mehr mit dem Autokauf an und begann, nach einem geeigneten Vehikel zu suchen.

Natürlich lief auch diese Suche über das Internet. Kleinanzeigen mit Angeboten gab es in Albany zur Genüge. Nachdem ich eine skurrile Probefahrt mit einem taiwanesischen Backpacker in dessen schon arg ramponiertem Ford hinter mir hatte, wurde ich mir am gleichen Tag mit einem kanadischen Austauschlehrer handelseinig. Er musste wieder nach Toronto und so erwarb ich seinen Hyundai Excel.

Das Auto war schon volljährig (Baujahr 1996) und hatte daher auch ein paar kleinere Roststellen und andere Macken. Doch der Motor hörte sich für einen Autolaien wie mich noch ganz gut an. Außerdem war meine Logik bestechend einfach: Wenn es bis jetzt 18 Jahre durchgehalten hat, schafft es auch noch zwei weitere Monate. Und der Preis lag mit umgerechnet 680 Euro auch im Rahmen. Einen Mietwagen hätte ich dafür noch nicht mal einen Monat lang bekommen. Allerdings hätte der dafür vermutlich auch eine funktionierende Klimaanlage gehabt. Nun ja, wie bereits häufiger erwähnt: Man kann nicht alles haben.

Die Ummeldung auf mich war erfreulich einfach und so hielt ich bald die Schlüssel meines eigenen australischen Autos in der Hand. Nun galt es, sich an den hier herrschenden Linksverkehr zu gewöhnen. Das ging besser als gedacht, obwohl sich andere Verkehrsteilnehmer sicher öfter wunderten, warum bei mir bei strahlendem Sonnenschein die Scheibenwischer so häufig zum Einsatz kamen. Dabei wollte ich eigentlich nur blinken. Eben alles umgekehrt hier.

Der ganze Prozess der Autosuche und des Autokaufs zog sich einige Tage hin. In dieser Zeit war ich aber natürlich nicht nur damit beschäftigt. Über verschlungene Pfade (Freund eines Bekannten einer Freundin) kam ich in Kontakt mit Phil, einem pensionirten Tierarzt. Und dieser stellte sich als überaus nett und vielseitig interessiert heraus.

In unserem ersten Gespräch entschuldigte er sich gleich, er hätte heute nicht viel Zeit, aber wir könnten trotzdem gemeinsam surfen gehen. Da ich das schon immer mal ausprobieren wollte, sagte ich spontan zu.

Er holte mich in der Stadt ab und wir fuhren just zu der William Bay, die ich einige Tage zuvor noch entlang gewandert war. Phil zeigte mir Surfen per Bodyboard. Ein Bodyboard ist ein ca. 1 Meter langes Surfbrett, auf das man sich bauchlings wirft, sobald die passende Welle einen erfasst. Ein bisschen so, wie man auf dem Bauch Schlitten fährt.

Das machte großen Spaß, obwohl es erstaunlich schwierig war. Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten erwischte ich aber einige gute Versuche und schoss auf den Wellen dahin.

Mit der Zeit wurde es allerdings recht kühl im Wasser, so dass wir es verließen und stattdessen mit Phils Hund Ruby ein wenig spazieren gingen. Im Zuge dessen lud mich Phil spontan zum Weihnachtsgrillen seines Gemeindeclubs ein, dass noch dazu in der ehemaligen Walfangstation von Albany stattfand.

Dort angekommen, waren wir ein wenig früh dran, so dass erst wenige Leute vor Ort waren. Ich nutzte den entstehenden Leerlauf, um mir die Station und ihre Exponate anzusehen. Walfang war offenbar eine ziemlich anstrengende und brutale Angelegenheit. Und wenn man bedenkt, dass diese imposanten Tiere dort zu Dünger verarbeitet wurden, ist man wirklich froh, dass sie 1978 damit aufgehört haben.

Das Grillfest brachte dann eine weitere Überraschung. Denn viele Bewohner des Ortes hatten deutsche Vorfahren, die alle unbedingt deutsch mit mir sprechen wollten. Es war bei vielen der Älteren jedoch schon etwas eingerostet und durch den australischen Akzent stark gefärbt, so dass ich häufig meine liebe Mühe hatte, meine Gegenüber zu verstehen.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb war das Fest wirklich sehr schön. Auch das Essen war exzellent. Und im Laufe der Party stellte mich Phil auch seiner Frau Sue vor, wobei er ihr auch gleich eröffnete, dass ich heute Nacht bei ihnen schlafen würde, da wir morgen früh um 6:00 Uhr zum Angeln aufbrechen würden. Selbiges hatte er mit mir kurz vorher abgestimmt.

Allerdings fielen Sues und meine Reaktion leicht unterschiedlich aus. Während ich hoch erfreut über das unerwartete Abenteuer Fischfang war, hielt sich Sues Begeisterung in Grenzen. Ich bot an, den Ausflug zu verschieben, aber Phil entgegnete, dass ein weiterer Phil ebenfalls noch mitkäme und er daher sowieso gehen würde. Dagegen war wenig zu sagen und so verbrachte ich die Nacht in Phils wirklich schönem Haus.

Am nächsten Morgen hieß es also früh raus aus den Federn und ab an den Ozean. Um zum Lieblingsplatz der beiden Phils zu kommen, mussten wir ca. eine Stunde an der Küste und am Strand lang wandern. Dort angekommen, erklärte mir Phil kurz die notwendigen Handgriffe und schon hielt ich eine Angel ins Wasser.

Doch während die beiden Profis neben mir sogleich einige Fische an der Strippe hatten, passierte bei mir schlicht gar nichts. So ging es eine ganze Weile. Als ich dann irgendwann mal wieder meine Angel einholen wollte, ging es etwas schwerer als vorher. Phil hatte mich gewarnt, dass man mit Haken oder Senkblei leicht am felsigen Untergrund hängen bleiben könnte. Ich dachte jetzt, genau das sei geschehen und rief Phil zur Hilfe.

Doch der diagnostizierte, dass sich wohl ein Rochen oder ein kleiner Hai den Köder geschnappt hat. Da diese Fische dabei recht ruhig bleiben, hatte ich es nicht bemerkt. Phil versuchte, den Fisch an die Oberfläche zu holen, doch die Sehne war der Belastung nicht gewachsen und riss. Somit hatte ich immer noch nichts gefangen, aber auch die anderen beiden waren mir ihrer Ausbeute nicht zufrieden. So wurde beschlossen, den Platz zu wechseln.

Am neuen Ort konnten wir die Fische von unserem Felsen aus unten im glasklaren Wasser sogar sehen. Und hier glückte mir dann nach einer Weile auch mein erster und einziger Fang – ein Silver Bream. Kurz danach mussten wir allerdings aufhören, denn beide Phils mussten nach Hause zurück.

Wieder in seinem Haus angekommen, schlug „mein“ Phil  vor, Nachbarn zu besuchen. Ok, warum nicht? Die Nachbarn stellten sich als Pärchen mit griechischen sowie ukrainischen Wurzeln heraus und waren überaus herzlich. Außerdem bucken sie gerade griechische Süßigkeiten, die wir später verkosteten.

Nach und nach trudelten noch weitere Nachbarn ein und bald war eine richtige kleine Party im Gange. Dazu der Ausblick auf den weißen Strand und den blauen Ozean – ein richtig schöner Nachmittag.

Doch wie alle Tage, ging auch dieser mal vorbei und letztlich fuhr mich Phil wieder zum Hostel zurück. Wir verabredeten uns zwar für den nächsten Tag, doch daraus wurde leider nichts, da sich Phil den Magen verdorben hatte. Ich war allerdings mit meiner Autosuche und anderen Erledigungen auch ganz gut ausgelastet.

Immerhin kam ich aber dazu, mir eine weitere Sehenswürdigkeit von Albany anzusehen – den Dog Rock. Das ist ein Felsen mitten im Ort, der mit ein bisschen Phantasie wie ein aufblickender Hundekopf aussieht.

Und so langsam kristallisierte sich dann bei mir auch eine Reiseroute heraus. An der Küste entlang nach Osten. Phil gab mir viele Tipps dazu und schenkte mir noch einige nützliche Dinge, darunter einen 20l Benzinkanister. Denn Benzin sollte einem in Australien bei den Entfernungen besser nicht ausgehen.

Da ich nun sowohl ein Auto als auch eine grobe Reiseroute hatte, beschloss ich aufzubrechen. Meine Versuche, nun meinerseits Mitfahrer zu finden, scheiterten ebenfalls, so dass ich die Reise alleine antreten musste.

Und so verabschiedete ich mich von Phil, kaufte ausreichend Nahrungsmittel für die kommenden Tage ein, setzte mich in mein neues Auto und legte den ersten Gang Richtung Esperance ein.

4 Responses

  1. German Tourist
    | Antworten

    Viel Glück mit Deinem neuen Auto und viel Spaß on the road. Ich leite jetzt übrigens alle Anfragenden auf meinem Blog bezüglich des Bibbulmun Track an Dich weiter….. Du hast schließlich die neuesten Infos.
    Freut mich übrigens, dass der Kontakt zu Alan doch noch etwas gefruchtet hat.

    • Robert
      | Antworten

      Danke! Das Reisen mit dem Auto ist auf jeden Fall ein ganz anderes Erlebnis, so viel ist sicher. Und die erste Anfrage zum Bibbulmun Track habe ich auch schon erhalten! :-)

  2. Mary Ellen Morris
    | Antworten

    Hi Robert,
    Congrats on finishing the Bibbulman, and I hope you enjoy the next leg of your journey with your new car and make it to the east coast for more beauty and adventure, and meet some new friends along the way!
    Merry Christmas! Mary Ellen

    • Robert
      | Antworten

      Hi Mary-Ellen,

      thanks! Just keep reading and you will find out everything about the next adventures! :-)

      Happy New Year to you!

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