Von Marion,  VA nach Pearisburg, VA
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Von Marion, VA nach Pearisburg, VA

Nach einer angenehmen Nacht im Motel werden wir um 9:45 Uhr von einem öffentlichen Shuttle Bus der Stadt zurück zum Trail gefahren. Crunchie und Timeout sind mit an Bord und wir planen heute 17,7 Meilen zu einem „Campingplatz“ zurückzulegen. Zunächst regnet es ein wenig, was uns beim ersten Anstieg als nette Erfrischung entgegenkommt. Nach und nach setzt sich jedoch die Sonne durch und wir schwitzen wie im Hochsommer.

Am frühen Nachmittag führt der Weg an einer alten amerikanischen Dorfschule vorbei, die man auch betreten kann. Drinnen stoßen wir auf jede Menge Trail Magic in Form von Keksen, Kuchen und Getränken. Toll!

Gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg und kommen kurz darauf an einer Tankstelle vorbei. Wir sind zwar immer noch satt, können aber einer kalten Cola nicht widerstehen.

Die letzten sechs Meilen geht es recht ordentlich auf und ab. Dafür werden wir jedoch am Ende mit einem lauschigen Plätzchen, umgeben von Rhododendronbüschen, belohnt. Robert duscht sogar im nahe gelegenen Bach. Mir ist das Wasser noch zu kalt, ich kann mich nicht überwinden.
Wir freuen uns, endlich einmal wieder im Zelt statt in der Shelter zu schlafen und genießen einen netten Abend mit unseren britischen Freunden.

Die Nacht war erstaunlich mild und wir konnten zum ersten Mal mit leicht geöffnetem Schlafsack schlafen. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Dieser sieht mal wieder recht anspruchsvoll aus. Laut Karte geht es heute ordentlich hoch und runter. Nichts desto trotz haben wir uns 18 Meilen als Tagesziel gesetzt.

Die ersten fünf davon erreichen wir nur schwer. Dann fängt es auch noch an zu regnen und ein Gewitter naht. Zu unserem Glück ist eine Shelter in der Nähe, in der wir eine vorzeitige Mittagspause einlegen. In dem „Gästebuch“ finden wir wieder einmal einen Eintrag von Pillow. Er, Craig und Kirk waren gestern hier und haben in dieser Shelter geschlafen. Dank dieser Einträge bleiben wir auf dem Laufenden und wissen immer ungefähr, wo sich die Drei befinden. Sie sind voraussichtlich sieben bis zehn Meilen vor uns.

Den Rest des Tages spielt das Wetter mit uns: Ziehen wir unsere Regensachen an, kommt die Sonne raus, ziehen wir sie aus, fängt es an zu nieseln. Dennoch kommen wir gut voran und erreichen gegen 18:30 Uhr unser „Camp“, in dem wieder auch Crunchie und Timeout ihr Zelt aufgeschlagen haben. Gemeinsam essen wir Abendbrot und planen den nächsten Tag. Gerade als wir unsere Nudeln mit Käsesoße vertilgt haben, beginnt es erneut zu regnen. Schnell packen wir unsere sieben Sachen zusammen und machen es uns in unserem trockenen Zelt gemütlich.

Die Nacht war kälter als gedacht und so machen wir uns am morgen flink auf die Socken, um warm zu werden. Es soll mit 13,5 Meilen ein kurzer Tag werden. Das sind immerhin auch 20 km, doch für uns mittlerweile weniger als die Norm. Tagesziel ist heute Fort Bastian, ein von einem Briten geführter „Campingplatz“, wie sich später noch herausstellen wird.

Der Weg ist entspannter als gestern, hat aber doch wieder einige „Hügel“ zu bieten. An der ersten Straßenkreuzung erwartet uns Trail Magic in Form von gekühlten Getränken. Und das soll noch nicht alles an Überraschung gewesen sein an diesem Tag. Kurze Zeit später entdecken wir drei Weißschwanz- Rehe hinter einem Rhododendronstrauch. Leise schleichen wir uns an, um sie möglichst gut und lange sehen zu können. Es dauert jedoch nicht lange, bis sie uns bemerken und sich davonmachen. Aber es kommt sogar noch besser! Robert entdeckt ein paar Meilen weiter eine schwarz- grüne, bleistift- dicke, kleine Schlange am Wegesrand. Crunchie hat einen Taschen- Naturführer dabei und findet heraus, dass es sich vermutlich um eine harmlose Gartner Schlange handelt. Wir gehen trotzdem lieber schnell weiter, nachdem wir ein paar Fotos gemacht haben.

Nach den geplanten 13,5 Meilen treffen wir auf eine Straße, an der bereits Nigel, der Eigentümer des Fort Bastians auf Timeout, Crunchie und uns beide wartet. Wir hatten ihn vorher angerufen und um einen Shuttle gebeten. Da er sich „TruBrit“ nennt und vor 16 Jahren aus Birmingham in die USA kam, freuen sich vor allem unsere beiden Briten auf den Aufenthalt bei ihm.

Wir gehen zunächst davon aus, dass wir bei ihm zu Hause schlafen und er uns am morgen ein original English Breakfast serviert. Als er uns zu seinem riesigen gepachteten Waldstück fährt, setzt bei Robert und mir jedoch die Ernüchterung ein. Wir hatten auf ein warmes Bett, eine Waschmaschine sowie Dusche gehofft. Campen können wir schließlich auch auf dem A.T. Naja, mitgefangen, mitgehangen, denken wir uns und verbringen die Nacht nun hier. Der Spaß kostet lediglich 7 Dollar, inklusive Frühstück. Darauf sind wir schon sehr gespannt und hoffen, es nicht selbst zubereiten zu müssen.

Um ca. 8 Uhr brüllt ‚TruBrit‘ „breakfaaast“. Wir fühlen uns wie in einem Militär- Camp und würden am liebsten einfach so schnell es geht hier weg. Der Hunger treibt uns jedoch trotzdem zum „Buffet“. Dort gibt es abgezählt für jeden 2 Pancakes, einen Esslöffel Rührei und 3 Scheiben Speck. Hmm, satt sind wir alle nicht, aber gut. Anschließend werden wir zurück zum Trail gefahren.

Crunchie und Timeout sind ebenfalls der Meinung, dass es sich im Nachhinein betrachtet, nicht gelohnt hat, im Fort Bastian zu übernachten. Wir verbuchen das Ganze unter „Erfahrung“ und laufen schnell weiter. 20 Meilen haben wir uns für heute vorgenommen. Der Weg ist schön eben und wir kommen trotz einiger kleinerer An- und Abstiege gut voran.

Crunchie und Timeout sind etwas schneller als wir bzw. machen kaum Pausen, weshalb sich unsere Wege nach ein paar Meilen trennen. Wir sind uns aber sicher, sie früher oder später wieder zu treffen. Jeder muss sein eigenes Tempo und seinen eigenen Rhythmus finden und auch einhalten. Zu versuchen, mit anderen mitzuhalten, ist langfristig aus unserer Sicht nicht förderlich. Deshalb wandern wir nun erstmal allein.

Um ca. 18:30 Uhr erreichen wir, wie eigentlich fast jeden Tag, unser Tagesziel. Heute ist dies wieder ein „Campingplatz“. Außer uns hat hier schon „Purple Pants“ („Lila Hose“) sein Zelt aufgeschlagen. Er ist ein netter Wanderer aus Kansas, mit dem wir uns beim Abendessen unterhalten. Dabei erzählt er uns auch, dass er die letzten zwei Nächte mit Pillow, Extra Mile und Ironman in der gleichen Shelter verbracht hat. Wir freuen uns zu hören, dass es den Dreien gut geht und sie nur wenige Meilen vor uns sind. So können wir nun beruhigt schlafen gehen. Gute Nacht!

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, regnet es. Im Zelt ist es warm und trocken, so dass wir heute ausnahmsweise mal „drinnen“ Frühstück kochen. Anschließend stehen 21 Meilen bis zum Woodshole Hostel an. Der Regen lässt nach, als wir uns auf den Weg machen, aber nasse Füße lassen sich heute nicht vermeiden. Die Aussicht auf ein warmes Domizil lässt uns immer weiter laufen.

Das Woodshole Hostel wurde uns als eines der besten des gesamten Trails empfohlen, so dass wir hohe Erwartungen haben. Außerdem freuen wir uns, Pillow, Extra Mile, Ironman, Crunchie und Timeout wieder zu treffen. Pillow und Extra Mile kommen uns auch sogleich freudig entgegen, als wir im Hostel ankommen. Das „Hostel“ an sich entpuppt sich jedoch als zügiger Dachboden, mit Plumpsklo vor der Tür. Es gibt auch Doppelzimmer im eigentlichen Haus der Eigentümer, allerdings sind diese schon besetzt. Immerhin können wir dort duschen und die Waschmaschine nutzen. Zum Abendbrot gibt es selbst gemachtes Essen, teils aus eigenem Anbau, was eine tolle Abwechslung zu den gewöhnlichen Burgern etc. darstellt.
Als wir am nächsten Morgen jedoch alle arbeiten müssen (Crunchie und Timeout sollten das Plumpsklo reinigen), war der Spaß für uns irgendwie vorbei. Immerhin bezahlten wir ca. 35 Dollar pro Person und sehnten uns nach einem Platz zum Erholen. Sicher hat das Hostel auch gute Seiten (es wurden z.B. Fußmassagen angeboten), aber nachdem man 32 km gelaufen ist und immerhin 35 (inkl. Abendbrot und Frühstück) Dollar bezahlt, möchte man einfach auch seine Ruhe haben.
Wir beschließen, hier keinen Ruhetag einzulegen (wer weiß, vielleicht müssten wir sonst den Garten umgraben oder so etwas;), sondern uns nach dem leckeren Frühstück vom Acker zu machen.

Heute steht wieder einmal ein Einkauf an. Dazu laufen wir ca. 11 Meilen in den nächsten Ort: Pearisburg. Dort steuern wir per Anhalter den Walmart an und essen danach Abendbrot bei Wendys, einer Fastfoodkette. Schon beim Rausgehen bereuen wir diese Entscheidung. Diese Art Fastfood ist einfach nicht unser Ding. Immerhin gab es jedoch W-LAN, was wir intensiv nutzten.

Da in Pearisburg und Umgebung alle Motels etc. aufgrund von Bauarbeiten ausgebucht sind, beschließen wir, noch 4 Meilen zu einem „Campingplatz“ auf dem AT zu laufen. Diesen wollten auch die anderen ansteuern. So treffen wir kurz vor 20 Uhr im Camp ein und machen es uns in den Zelten gemütlich.

Statistik zu diesem Abschnitt

Reisezeitraum: 03.04.2014 – 07.04. 2014

Tage auf dem Appalachian Trail insgesamt: 47

Gewanderte Kilometer in diesem Abschnitt: 161,1

Gewanderte Kilometer auf dem Appalachian Trail insgesamt: 1016,0

Trail Magic auf diesem Abschnitt:
– 2 Dosen Cola vom Trail Instandhalter „Fish“
– 2 Dosen Getränke in einer Kühlbox im Wald
– Kekse und Getränke in einer alten Dorfschule

9 Antworten

  1. Daniela, Austria
    | Antworten

    Ihr macht das wirklich gut mit eurem Blog, vor allem Text und Bilder gemeinsam ergeben ein tolles Gesamtbild, es ist mir eine Freunde, mit euch „mitzuwandern“ und ich warte begeistert auf die nächsten Berichte!

  2. Basisstation
    | Antworten

    Hallo Ihr zwei,
    jetzt wird Euer Abenteuerurlaub fast zum Wellnessurlaub! Habt Ihr die Fussmassage genutzt?? Bei manchen Füßen für den Masseur auch nicht immer angenehm :o)
    Kommt weiter gut voran!
    Liebe Grüße VaT u. MuT

  3. Inge Wölke
    | Antworten

    Hallo Katerina und Robert,wieder eine interessante Frischluftgeschichte und Bilder. Habt weiter eine erlebnisreiche Zeit und behaltet den Humor auf dem sicher nicht immer leichten Weg über Stock und Stein. Viele Grüße aus der Ferne oH und OI

  4. Tina und Wolf
    | Antworten

    Hallo Katerinchen und Robert,
    heute wollen wir euch gaaanz liebe Ostergrüße schicken.Wir sind sehr interessierte Leser und immer auf dem neuesten Stand,und freuen uns auf jede neue Geschichte.Ein Drittel eures Weges ist ja schon geschafft,eine tolle und sportliche Leistung! Ein wenig Neid auf eure Auszeit,Abenteuer und Frischluft kam schon auf. Das hat sich jetzt etwas relativiert.Eure Bilder sind traumhaft,aber ein Spaziergang ist es nicht.Wir hoffen ihr begegnet in den nächsten Tagen nur dem Osterhasen und keinen Schlangen!
    Wir wünschen euch weiter viel Spaß!! T.Tina & O.Wolf

    • Katerina
      | Antworten

      Hallo Ihr Lieben,
      vielen Dank für die lieben Ostergrüße. Schön, dass Ihr uns aus der Ferne immer begleitet! Den Ist erhaben haben wir nur bei Burger King an der Kasse gesehen (einer der Mitarbeiter hatte wohl eine Wette verloren und musste als Osterhase verkleidet bedienen ;) Ihr hattet bestimmt auch Spaß mit Eurem kleinsten Häschen! Liebe Grüße, Katerina

  5. | Antworten

    Hey ihr beiden,

    oh, fühle immer mit euch bei den enttäuschenden Etappen (-zielen).
    Ist ziemlich cool, euer Reise-Blog, man ist direkt bißchen mit im Urlaub, neues entdecken!
    Weiter so!
    Rüdi

  6. Beate
    | Antworten

    Liebe Katerina, lieber Robert, wir freuen uns über Eure bisherige Ausdauer und Stärke und sind in Gedanken immer bei Euch! Wir senden Euch frohe Ostergrüße und wünschen Euch sonnige Tage, gesunde Füße und immer wieder Trail Magic!
    Herzliche Grüße von Uwe u.Beate (PuM)

    • Katerina
      | Antworten

      Hallo Ihr Lieben, wir hoffen, Ihr hattet auch ein paar schöne Feiertage. Leider haben wir keine lila Ostereier mit gelben Punkten gefunden, aber wir hatten trotzdem einen schönen Tag! Jetzt machen wir uns gleich wieder auf die Socken. Liebe Grüße, Katerina

  7. Beate
    | Antworten

    PS: Solltet Ihr noch ein „Purple Pants“ mit gelben Punkten finden, ist das wohl ein Osterei!!!

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