Seakajak fahren im Abel Tasman National Park
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Seakajak fahren im Abel Tasman National Park

gepostet in Geschichten, Ozeanien | 2

Nach mehr als einem Jahr fast nur Wandern, konnte ich den Ausflug zum Abel Tasman National Park kaum erwarten. Endlich stand mal wieder paddeln auf dem Programm! Zwar kann man den Nationalpark auch über den Abel Tasman Coastal Track erkunden, doch ich entschied mich, die Landschaft von der Wasserseite zu entdecken. Und da das paddeln auf offenem Meer bedeutet, verleihen die Ausrüster Kajaks ausschließlich an Gruppen von mindestens zwei Personen. Zum Glück traf ich ja aber den Amerikaner Stuart auf dem Milford Track, so dass sich dieses Problem für mich Alleinreisenden lösen ließ.

Also fuhren Stuart und ich im Bus nach Nelson, quartierten uns ein, kauften die nötige Verpflegung (diesmal andere und frische Kost, da wir sie ja nur bis zum Ausrüster tragen mussten) und standen am nächsten Morgen bereits bei Sonnenaufgang für die Busabholung bereit. Der Bus kam auch und brachte uns nach Marahau. Dort ging es dann zu Abel Tasman Kayaks. Unsere Wahl fiel auf diese Firma, da sie als einzige auch Einer-Kajaks vermietete. Für ein Doppel kannte ich Stuart dann doch noch nicht gut genug.

Wir wurden freundlich aufgenommen und uns wurde als eine der ersten Sachen erklärt, dass wir nun zum Stand müssten, um die Eskimorolle vorzuführen. Das sei Vorschrift für jeden, der ein Einer-Kajak mieten möchte. Ich kann zwar rollen und hätte es auch gerne mal wieder gemacht, aber Stuart war gar nicht scharf drauf. Er diskutierte so lange mit dem Angestellten, bis wir von dieser Pflicht befreit waren.

Also konnten wir nun unsere Kajaks packen, wurden in die Region eingewiesen und los ging es zum Strand. Dort wurden die Boote ins Wasser gelassen und gemeinsam mit zwei Briten began unsere auf drei Tage angelegte Tour. Wir merkten allerdings recht schnell, dass das zu befahren erlaubte Gebiet doch recht klein ist und so ließen wir uns Zeit. Die Sonne strahlte mal wieder vom Himmel und spiegelte sich im Wasser. Über und neben uns zogen Seevögel ihre Bahnen und an der Küste wechselten sich Strände und raue Felsen ab. Es gab also genug zu entdecken.

Nachdem wir eine Weile die Küste erkundet hatten, fuhren wir zur nur wenige hundert Meter vorgelagerten Insel Adele Island und machten eine ausgedehnte Mittagspause. Die Insel gilt als „pest free“, also als frei von jeglichen Tieren, die der heimischen Faune gefährlich werden können. Entsprechend laut und vielfältig war der Vogelgesang. Außerdem gibt es auf der Insel auch eine kleine Seelöwenkolonie, der wir nach der Pause auch einen Besuch abstatteten.

Der Wind nahm etwas zu und wir hatten jetzt einen etwas ausgesetzten Abschnitt zu umrunden, der treffenderweise als „Mad Mile“, also Irre Meile, bezeichnet wird. Zum Glück bot Poseidon aber nichts auf, was wir nicht meistern konnten, und so kamen wir auch ohne Probleme in der Anchorage Bucht an. Dort befindet sich sowohl eine große Hütte für den Abel Tasman Coastal Track, als auch der dazugehörige Campingplatz. Wir landeten an, sicherten uns einen netten Platz und begannen dann, die Kajaks zu leeren und unsere Zelte aufzubauen. Der Platz war mit einhundert Stellplätzen der bislang größte, den ich in Neuseeland gesehen habe, aber durch seine Weitläufigkeit entstand nie das Gefühl einer Massentierhaltung. Wir begannen, unser Essen zu kochen und verbrachten einen netten Abend, der nur von den lästigen Sandfliegen gestört wurde.

Weiter ging es am nächsten Morgen Richtung Mosquito Bay. Wir hatten uns vorab versichert, dass der Campingplatz seinem Namen keine Ehre machte, was man uns auch zusicherte. Doch statt der wirklich nicht vorhandenen Mücken fanden sich auch dort Unmengen Sandfliegen, die über mehrere Tage bleibende „Erinnerungen“ hinterließen.

Doch noch war es ja nicht so weit. Als wir die Kajaks zum Strand von Anchorage Bay trugen, strich majestätisch ein Rochen ganz nah am Ufer vorbei. Ein guter Start in den Tag, der auch ansonsten viel zu bieten hatte. Es herschte nämlich gerade Flut, so dass die vielen kleinen Buchten zwischen Anchorage Bay und Mosquito Bay mir Wasser gefüllt waren. Wir konnten diese Lagunen also bequem mit dem Boot erkunden, was wir auch prompt taten. Erstaunlich, wie sich der Blick vom Wasser aus doch von dem landbasierten unterscheidet.

Da die Abstände der einzelnen Buchten wirklich nicht groß sind, kamen wir recht zeitig in Mosquito Bay an. Wir bauten auf und legten beide einen kleinen Mittagsschlaf ein. Anschließend ging es aber noch einmal auf’s Wasser. So entdeckten wir auch eine kleine Kormorankolonie und spielten mit den Booten ein wenig zwischen den bei nun ablaufendem Wasser freiliegenden Steinen.

Zurück am Campingplatz wurden wieder die Essensvorbereitungen angestoßen. Da wir zu viel Essen dabei hatten, wurden kurzerhand noch zwei andere Paddlerinnen eingeladen, die sich vorher etwas trostlos gemeinsam eine kleine Dose Fertigspaghetti geteilt hatten. Auch das wurde ein netter Abend mit einem beeindruckenden Vollmond und einem neugierigen Weka Vogel, der auf meinen vor dem Tarp gelagerten Wasserflaschen rumpickte.

An Tag drei sollte es nun wieder zum Ausgangspunkt zurückgehen. Unser Plan sah vor, möglichst schnell die Mad Mile hinter uns zu bringen, um dann die anschließende Küste zu erkunden. Gesagt, getan. Da wir Rückenwind hatten und auch ganz ausdauernd paddelten, brauchten wir für die wenigen Kilometer nicht mal zwei Stunden. Dann konnte es auf Erkundungstour gehen. Auch hier gab es einige, wenn auch deutlich kleinere, Lagunen. Und sehr beeindruckende Felsformationen, die Meer und Wind über all die Zeit aus dem Stein geschält haben.

Leider findet sich auch immer mal wieder angespülter Unrat am Strand. Unter anderem auch ein Paar Crocs, das wir einsammeln wollten. Stuart gelang es vom Boot aus, einen der beiden Schuhe zu angeln und an Bord zu nehmen. Der andere lag zu weit am Strand. Ich nahm Anlauf, um mein Boot weit auf den Strand auflaufen zu lassen und so den zweiten Schuh zu sichern. Dabei hatte ich allerdings die Widerstandsfähigkeit des Treibholzstammes unterschätzt, der bereits am Strand lag. Mein Boot gab beim Aufprall einen unschönen Laut von sich und ich hatte fortan einen gesprungenen Bug. Das ist wohl gründlich schief gegangen!

Notdürftig reparierten wir mein Kajak mit einer Plastetüte, retteten natürlich noch den zweiten Schuh und fuhren dann weiter. Ein paar Strand- und Felsbesichtigungen später kamen wir aber gesund und munter am Strand von Marahau an. Nun lief das Einpacken rückwärts ab und wir standen bald frisch geduscht auf dem Gelände unseres Ausrüsters. Dort beichteten wir beide. Ich erzählte vom gesprungenen Bug und Stuart erläuterte dem verblüfften Angestellten, wie er die eine Hälfte seines steckbaren Ersatzpaddels verloren hatte. Ziemlich herbe Verluste für einen Dreitagestrip!

Es ließ sich aber alles erfreulich einfach klären und so fuhren wir zurück nach Nelson, wo wir auch hier unseren gemeinsamen Ausflug in einem Restaurant feierten. Wir waren beide froh, diesen schönen Küstenabschnitt von Wasser aus gesehen zu haben. Während sich Stuart aber am folgenden Tag auf den Weg zur Nordinsel machte, wollte ich vorher noch ein wenig die Westküste der Südinsel erkunden. Mal schauen, was es da so zu sehen gibt!

2 Antworten

  1. Mary Ellen Morris
    | Antworten

    Hi Robert,
    Reading all your New Zealand stories brings back great memories of my trip there a few years ago – Kaikoura and the Dusky Dolphins, Milford Sound (not track, we were on a small boat overnight there!), Christchurch, Queenstown and The Remarkables, Lake Wanaka, Nelson, the Pancake rocks near Punakaiki, Fox Glacier and Awaroa lodge in Abel Tasman National Park (we did kayak but only a half day)! Anyway – great photos and stories of your many adventures there!! Happy belated birthday too and happy Spring (although it’s Happy Fall to you over there)! We’re just hoping it stops snowing in NY as we got another 5 inches on the first day of spring, nothing like stretching out winter to it’s very longest!
    I noted that you were in Invercargill a while back, there’s a great movie called „The World’s Fastest Indian“ about Burt Munro who was from there, and his Indian Motorcycle-excellent story!
    Keep those stories and photos coming and good luck in your continuing New Zealand travels!
    Best regards, Mary Ellen

    • Robert
      | Antworten

      Hi Mary-Ellen,

      I am really glad that my stories bring back some memories. Looks like, they are good ones too! ;-) Also, thank you for your birthday wishes! Fall is still some time away and I am moving towards warmer climates now. So I am pretty sure I can dodge the ugly weather for quite some time. :-) However, I have not seen snow in a while. I have been told about the movie you mentioned, but failed to check out the motorcyle which is on display in Invercargill. Well, I guess I have to go back there one day! :-)

      All the best to you and Craig!

      Robert

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