Per Hurtigruten-Schiff an Norwegens Küste entlang – Teil 2
» » » Per Hurtigruten-Schiff an Norwegens Küste entlang – Teil 2

Per Hurtigruten-Schiff an Norwegens Küste entlang – Teil 2

gepostet in Geschichten, Skandinavien | 4

Weiter geht unsere Fahrt mit dem Schiff MS Finnmarken der Hurtigruten entlang von Norwegens wilder Küste. Trondheim haben wir verlassen und steuern nun weiter Richtung Norden. Da das Schiff sich nie weit von der Küste entfernt, gibt es Ausblicke auf die sagenhafte norwegische Küste mit ihrer Berglandschaft, ihren vorgelagerten Inseln sowie hier und da kleine und größere Ortschaften am laufenden Band. Sehr erhaben und gleichzeitig irgendwie unwirklich. So vergeht der Rest von Tag drei.

Erster Höhepunkt an Tag vier ist die Überquerung des Polarkreises um 07:07:10 Uhr. Die Zeit wissen wir deshalb so genau, da es an Bord einen kleinen Wettbewerb gab, die genaue Zeit der Überquerung zu schätzen. Wir haben nicht gewonnen, aber der Gewinner lag nur eine Sekunde daneben! Viele der Reiseteilnehmer waren noch nie soweit nördlich unterwegs und sind deshalb bereits früh auf den Beinen, um die Überquerung nicht zu verpassen. Natürlich kann man die imaginäre Linie nicht sehen, weshalb ein deutlich sichtbares Monument auf einer nahegelegenen Insel daher die genaue Lage anzeigt. Später am Tag wird dieses Ereignis für einige Reiseteilnehmer noch eine Überraschung bereithalten. Neptun persönlich schaute vorbei und unterzieht die „Neu-Nordlichter“ einer Polarkreistaufe, die aus einer Schöpfkelle Eiswürfel besteht. Ein wahrhaft „cooles“ Erlebnis!

Doch unser Tageshöhepunkt kommt noch. In Bodø haben wir dann doch mal einen Ausflug gebucht. Es geht zum Saltstraumen, dem stärksten Gezeitenstrom der Welt. Unmengen Wasser werden hier beim Wechsel von Ebbe und Flut durch eine recht kleine Engstelle gepresst. Das erzeugt nicht nur schnelle Strömungsgeschwindigkeiten, sondern auch imposante Strudel mit mehreren Metern Durchmesser. Und wir sind per stabilem Schlauchboot mittendrin. Sehr eindrucksvoll und für Hurtigruten-Verhältnisse das höchste der Gefühle an adrenalinträchtigen Aktivitäten. Auf dem Rückweg geht es dann noch an einem Seeadlernest vorbei, wobei wir das Glück haben, dass einer der mächtigen Vögel sogar „zu Hause“ ist.

Wieder an Bord der MS Finnmarken geht es jetzt über die große Meeresbucht des Vestfjordes in Richtung der Inselkette Lofoten. Diese ist durch ihre schroffe und spektakuläre Bergwelt bekannt, die sich förmlich direkt aus dem Wasser zu erheben scheint. Kein Wunder, dass die ca. 100 km lange Bergkette auch „Lofotenwand“ genannt wird, denn es sieht wirklich so aus, als fahren wir auf eine Wand zu. Auf den Lofoten legen die Schiffe der Hurtigruten zwar auch an zwei Häfen an, doch da es schon dunkel ist und wir hier noch zwei komplette Tage an Land verbringen werden, verzichten wir auf das Verlassen des Schiffes.

Nicht verzichten wollen wir hingegen am kommenden Tag auf die Besichtigung von Tromsø, der größten Stadt in Nord-Norwegen. Das Stadtgebiet liegt hauptsächlich auf einer großen Insel und wird von imposanten Bergen eingerahmt. In Norwegen ja eigentlich nichts ungewähnliches. Trotzdem war es ein schönes Gefühl mit der Seilbahn auf einen dieser Berge zu fahren und anschließend einen weiten Blick in die Runde zu werfen. Da wir das auch im Rahmen eines „Wanderausfluges“ (die Wanderung war nur ca. 3 km lang) des Hurtigrutenprogramms taten, konnten wir uns von Felix, dem deutschen Wanderführer noch so einige Tipps zum nördlichen Norwegen und insbesondere den Lofoten abholen, doch dazu später mehr. Auch den Besuch der bekannten Eismeerkathedrale genannten Kirche des Ortsteils Tromsdalen hoben wir uns für den Besuch auf der Rückreise auf.

Und so ging es wieder zurück auf die MS Finnmarken und weiter Richtung Nordkapp. Als wir allerdings am folgenden Tag aus dem Fenster schauten, sahen wir nicht viel. Dicker Nebel umgab das Schiff. Sollte uns also zum ersten Mal auf dieser Reise das Wetter im Stich lassen? Noch waren es ja einige Stunden Fahrt bis Honningsvåg, dem nur ca. 30 km vom Nordkapp entfernten Hafen. Doch das Wetter wurde nur zaghaft besser und so verließen wir dann auch bei leichtem Nieselregen und bedecktem Himmel das Schiff. Die anschließende Autofahrt per Mietwagen zum Nordkapp mussten wir aufgrund der geringen Sichtweite entsprechend langsam zurücklegen, doch selbst der Nebel konnte nicht verhindern, dass wir die neben der Straße grasenden Rentiere erspähten. Ein prompter Fotostop musste sein!

Als wir dann endlich am Nordkapp eintrafen, hatten wir es noch vor der großen Buskolonne mit den anderen Gästen der MS Finnmarken dorthin geschafft. Somit konnten wir ein paar ungestörte Momente mit nur wenigen anderen Touristen dort verbringen, bevor die Busse dann doch ankamen und das Gelände mit vielen Menschen geflutet wurde. Alle strömten natürlich zum berühmten Monument der Erdkugel, die das Nordkapp ziert. Es bildete sich eine lange Warteschlange, denn jeder wollte „sein“ Foto haben. Wir erkundeten in der Zwischenzeit das ebenfalls vorhandene Museum und konnte dann im Anschluss auch noch unser Foto machen. Und als hätte sie dann doch noch ein Einsehen mit uns, kam nun auch die Sonne hervor und vertrieb die dichtesten Nebelwolken, so dass man zumindest ein wenig umgebenene (und recht beeindruckende) Landschaft sehen konnte.

Die Autofahrt zurück zum Schiff bestritten wir nun fast nebelfrei, so dass wir die arktische Tundra erst so richtig bewundern konnte. Eine Landschaft, die einen trotz ihrer vermeintlichen Einfachheit stark in ihren Bann zieht. Wir hätten sie noch stundenlang anschauen können. Doch diesen Luxus hatten wir nicht, denn die Schiffe der Hurtigruten halten ihren Fahrplan sehr penibel ein. Wer zur Abfahrtszeit nicht an Bord ist, hat Pech gehabt.

Wir waren natürlich pünktlich zurück und schipperten so langsam dem Wendepunkt unserer Reise in Kirkenes entgegen. Zuvor gab es aber am Abend nicht nur einen „Winke-Wettbewerb“ mit dem südwärtsgehenden Hurtigruten-Schiff MS Nordkapp (ich würde es als Unentschieden bezeichnen), sondern vor allem auch ein kräftiges und ausdauerndes Polarlicht. Intensive grüne Schleier, die manchmal auch von roten und weißen Elementen verstärkt wurden, waberten stundenlang über den Himmel. Ein ergreifendes Schauspiel, dass viele der Passagiere höchst zufrieden ins Bett fallen ließ.

An Tag sieben kamen wir dann in Kirkenes an. Dies ist der Wendepunkt der Hurtigruten-Schiffe, denn ab hier geht es wieder Richtung Süden zurück nach Bergen. Da viele Passagiere nur entweder die nord- oder südgehende Teilstrecke fahren, gibt es hier auch einen größeren Austausch an Reisenden und das Schiff liegt eine Weile im Hafen. Zeit genug, sich die Stadt anzusehen, die offen gestanden nur wenig sehenswertes zu bieten hat. Aber es tat gut, sich nach all der Zeit an Bord mal wieder die Beine zu vertreten. Da machte es auch nichts, dass es zum zweiten Mal auf der Reise ein etwas bewölkter Tag war. Wir genossen den Spaziergang an Land und freuten uns schon auf den südwärts gehenden Teil der Reise.

4 Antworten

  1. Angelika Kottusch
    | Antworten

    Hört sich alles sehr eindrucksvoll an! Herzlichen Dank für die tollen Fotos. Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht und wünsche an dieser Stelle ein gutes Jahr 2018! Liebe Grüße von Angelika

  2. Basisstation
    | Antworten

    Es ist so schön, auf diese Art und Weise die Reise ein zweites Mal erleben zu dürfen. Alle Momente sind durch die Erzählung sofort wieder präsent und lassen unser Herz erfreuen. Vielen Dank ! Eure Basisstation.

  3. Christiane
    | Antworten

    Happy New Year, Robert! Lese fleissig mit und pack das mal auf die Bucketlist fuer’s Rentenalter :)

  4. Mary Ellen Morris
    | Antworten

    Hi Robert, Nice to see you are still travelling! Nice photos! So far north and I don’t see any snow, how are the temperatures in Norway? Keep up the great stories…
    We’re celebrating Craig’s big „40th“ birthday on the 11th! (Can’t believe I have a son that age, yikes!)
    Now that I’ve retired I’ve joined a Wednesday hiking group, we are often on parts of the AT in Harriman and Bear Mountain state parks!
    Take care. Mary Ellen („Blog Mom“)

Bitte hinterlasse eine Antwort