Durch das Outback nach Darwin
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Durch das Outback nach Darwin

gepostet in Geschichten, Ozeanien | 4

Mein nächstes Ziel hieß nun also Darwin. Doch bis dorthin waren es noch deutlich mehr als 3500 km, zumindest wenn man die „kleinen“ Abstecher mit einrechnet, die ich mir vorgenommen hatte. Doch ich freute mich sehr auf diese Tour, denn sie führte mich einmal mehr durch die vielleicht prägendste australische Landschaft – das Outback. Bei meiner Reise zum Uluru / Katatjuta Nationalpark und zum Kings Canyon hatte ich ja schon einen Ausschnitt davon bewundern dürfen. So war ich sehr gespannt, was das Outback diesmal für mich bereit hielt. Und ich wurde nicht enttäuscht!

Doch zuerst einmal ging es in das nur wenige Kilometer entfernte Mount Morgan. Eine alte Minenstadt, in der man früher (natürlich) nach Gold schürfte. Wie immer, wenn man nach dem gelben Metall suchte, ging man dabei recht rücksichtslos mit der Umwelt um, so dass die heutige Generation große Anstrengungen unternehmen muss, die damals verursachten Verschmutzungen zu beseitigen. Schwermetalle im Wasser sind eben sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt alles andere als gut. All das erfuhr ich bei einer kleinen Führung durch den Ort, die John von Mount Morgan guided Tours sehr interessant gestaltete.

Praktischerweise kamen wir im Rahmen der Tour auch am örtlichen Badesee vorbei, wo es auch die üblichen öffentlichen Gasgrills gab. Also düste ich nach der Tour in den Supermarkt, holte mir ein paar Leckereien und bruzzelte die anschließend am Ufer des Sees. Sehr angenehm! Danach ging es aber wieder auf die Straße, denn das nächste Ziel Charleville lag noch in einiger Entfernung.

Nach einigen recht ereignislosen Stunden auf der Straße und einer angenehmen Übernachtung in einem Eukalyptuswald trudelte ich am nächsten Tag um die Mittagszeit in Charleville ein. Eigentlich liegt dieser Ort gar nicht auf dem direkten Weg nach Darwin, doch dort gab es etwas, das mich magisch anzog – das Charleville Cosmos Centre inklusive nächtlicher Sternenschau. Und da Charleville selbst nicht sonderlich groß ist, versprach das wenig Lichtverschmutzung und somit einen tollen Ausblick auf den Nachthimmel.

Doch noch war heller Tag, als ich am Cosmos Centre eintraf. Praktischerweise befand sich dort auch gleich die Touristeninformation des Ortes. Ich bekam gleich mal eine ca. 30-minütige Individualführung durch das Centre und sah mir anschließend auch die wirklich gut gemachten und fast ausnahmslos interaktiven Exponate an. Da ich jedoch auch erfahren hatte, dass in Charleville ansonsten wenig mich interessierendes existierte, steuerte ich den örtlichen Supermarkt an und setzte mich mit einigen Annehmlichkeiten anschließend an die Hauptstraße des Ortes, um ein wenig „Outback-Kleinstadt-Flair“ aufzusaugen. Die Hitze ließ mich das aber nicht lange aushalten.

Und so fuhr ich schon recht früh zurück zum Cosmos Centre und erwartete dort den Start der Sternenshow, die auch pünktlich begann. Ungefähr 20 Leute hatten sich eingefunden, die von etwa fünf Freiwilligen des örtlichen „Sternenguckerclubs“ in den Ablauf des Abends eingewiesen wurden. Insgesamt fünf verschiedene Objekte in ansteigender Entfernung standen auf dem Programm – der Mond, der Jupiter, Alpha Centauri als nächster Stern der Sonne, eine entfernte Galaxie sowie ein noch deutlich weiter entfernter Galaxiehaufen. So eingeordnet in die riesigen Dimensionen des Universums wurde man wirklich zum Nachdenken über die Relevanz der eigenen Existenz angeregt. Aber ganz unabhängig davon war es auch ein faszinierendes Erlebnis, die vielen Himmelskörper mal „aus der Nähe“ betrachten zu können!

Das wurde dann am nächsten Tag sogar noch besser! Denn am Morgen, wenn die Sonne noch nicht so hoch steht, konnte man mit Hilfe eines mit einem speziellen Filter versehenen Teleskops direkt in unseren Stern schauen. Erstaunlicherweise war ich der Einzige, der dies an diesem Tag machen wollte und so hatte ich erneut eine Privatvorführung. Sehr kompetent erklärte mir die Mitarbeiterin nicht nur das Teleskop, sondern auch die vielfältigen Eigenschaften und Eigenheiten der Sonne inklusive der berühmten Sonnenflecken. Sehr spektakulär!

So vollgepumpt mit Wissen ging es dann wieder auf die Straße, dem nächsten Ziel Longreach entgegen. Dorthin schaffte ich es in einer Art Gewaltmarsch gerade noch rechtzeitig, um mir das Australian Stockman’s Hall of Fame anzusehen. Der Begriff Stockman ist die australische Variante des bei uns besser bekannten Cowboy, also letztlich die Viehhirten. Obwohl die Ausstellung in Teilen durchaus interessant war, war ich wohl einfach ein wenig zu erschöpft, um sie insgesamt so richtig genießen zu können. Zumindest hinterließ sie einen eher gemischten Eindruck bei mir.

Beeindruckender hingegen war der nächste Morgen. Denn das war der 25. April und damit ANZAC-Day. An diesem Tag im Jahre 1915 versuchten die alliierten Truppen, die zu einem erheblichen Anteil auch aus australischen und neuseeländischen Männern bestanden, die türkische Halbinsel Gallipoli zu stürmen. Ein weiteres Massensterben im Rahmen des ersten Weltkrieges begann. Für die noch jungen Nationen Australien und Neuseeland hatte diese Schlacht traumatische Auswirkungen, derer noch heute jährlich gedacht wird. Und zwar ganz früh am Morgen, als die Soldaten ihren Sturm auf den Strand begannen.

So stand ich nun am 100. Jahrestag mit einigen hundert Australiern auf dem Gedenkplatz von Longreach, hörte die Reden des Bürgermeisters und Pfarrers und vernahm zum Ende die Namen all jener, die nicht mehr nach Longreach und die angrenzenden Orte zurückgekommen sind. Eine schmerzhaft lange Liste. Nachdenklich setzte ich mich anschließend in mein Auto und fuhr dem nächsten Ziel Mount Isa entgegen.

Doch erstmal kam ich nur bis Winton. Als ich dort tankte, fragte mich der Junge hinter der Kasse, ob ich denn wegen der ANZAC-Parade hier sei. Ich hatte gedacht, diese wäre bereits vorbei, doch er verneinte dies und meinte, sie würde in wenigen Minuten anfangen. Also flink bezahlt und ab zur Hauptstraße. Diese war in dem 1000 Seelen Örtchen abgesperrt, als sei die Queen persönlich hier. Doch dann zogen nur eine kleine Parade vorbei, die hauptsächlich aus allen möglichen Vereinen des Ortes bestand. Nach gerade mal 10 Minuten (die Parade lief die Straße rauf und auf der anderen Seite wieder runter) war sie auch schon vorbei und es kehrte wieder Alltag ein in diese fast vergessene Kleinstadt.

Aber da gab es ja noch das Waltzing Matilda Centre! Das einzige Museum der Welt, das einem Lied gewidmet ist. Natürlich ist es kein Zufall, dass das Museum gerade hier steht, denn ganz in der Nähe von Winton entstand der Song im Jahre 1895. Waltzing Matilda wird aufgrund seiner Popularität rund um den Globus oft als inoffizielle australische Nationalhymne angesehen und wurde sogar als offizielle vorgeschlagen. Am bekanntesten ist in Deutschland vermutlich die Version von Rod Stewart (Youtube-Link), die jedoch so gut wie nichts mit dem ursprünglichen Text zu tun hat.

Im Museum wurde natürlich die Originalversion (Youtube-Link) gespielt . Ihr Autor Andrew Barton Paterson (genannt Banjo Paterson) ist übrigens auch auf dem australischen 10 Dollar Schein abgebildet. Es gab aber auch eine „internationale“ Abteilung, wo anderssprachige Versionen zu hören waren (sehr witzig war die schwedische). Auch ansonsten war das Museum ziemlich interessant und bot ein interessanten Misch-Masch. (Anmerkung: Leider, leider ist das Museum am 18. Juni 2015 einem Feuer zum Opfer gefallen. Ich hoffe sehr, dass es schnell wieder aufgebaut werden kann.)

Wieder auf der Straße hatte ich die folgenden Kilometer nun einen ausgewachsenen Ohrwurm, den ich auch schon mal laut vor mich hinträllerte. Leider passte die Szenerie auch sehr gut zum Lied, in dem es ja um Selbstmord geht. Denn der Straßenrand war zwischen Winton und Cloncurry in einem erschreckenden Ausmaß von Kängurukadavern gesäumt. Ich habe sie nicht gezählt, aber ich würde sie im Durchschnitt auf mindestens 3 pro Kilometer schätzen. Da es fast 350 km bis Cloncurry sind, bekam ich also eine Menge toter Kängurus zu sehen. Lebend sind sie mir allerdings deutlich lieber.

Von Cloncurry ist es dann (für australische Verhältnisse) auch nur noch ein Katzensprung bis zu meinem nächsten Ziel Mount Isa (ca. 120 km). Diese Stadt ist mit etwas mehr als 20.000 Einwohner die mit Abstand größte in diesem Teil Australiens. Trotzdem „fühlt“ man das ihr nicht an. Alles ging sehr geruhsam zu. Ich machte es mir im örtlichen Hostel bequem und besuchte am nächsten Tag sowohl das zu Zeiten des zweiten Weltkrieges errichtete, unterirdische Krankenhaus (aus Furcht, die Japaner könnten die Stadt bombardieren), als auch das örtliche Fossilienmuseum mit einer recht spannenden Ausstellung.

Und dann ging es auch wieder auf die Straße, denn langsam lief mir ein wenig die Zeit davon. Also fuhr ich weiter Richtung Westen und kam bald an die Grenze zwischen Queensland, das ich nun verließ, und das Northern Territory. Wie bereits seit Rockhampton hieß es auch hier nun, immer an den ungefähr alle 200 km vorhandenen Tankstellen Benzin nachfüllen und weiter ging die Fahrt. So erreichte ich dann auch gegen Abend die Kreuzung mit dem Stuart Highway, der Australien mittig von Süd nach Nord durchquert.

Eigentlich hätte ich nun nach Norden abbiegen müssen, um mein eigentliches Ziel Darwin zu erreichen, doch stattdessen schwenkte ich nach Süden. Denn das Naturschauspiel „Sonnenaufgang an den Teufelsmurmeln“ wollte ich mir nicht entgehen lassen. Die „Devils Marbles“ (oder korrekterweise Karlu Karlu) sind kugelförmige Granitfelsen, die durch Verwitterung entstanden sind. Und der Sonnenaufgang am nächsten Tag war die ca. 200 km Umweg auf jeden Fall wert!

Noch in tiefschwarzer Nacht packte ich mein Lager zusammen, was in Sekunden erledigt war (mittlerweile breitete ich einfach irgendwo meine Isomatte aus und legte mich im Schlafsack unter das Sternenzelt). Nach einem kleinen Frühstück stieg in mein Auto und fuhr vom Zeltplatz die wenigen Kilometer bis zu den Devils Marbles. Als ich dort ankam, begann sich gerade ein heller Streifen am Horizont auszubreiten.

Nach und nach wurde dieser immer breiter und tauchte so die vielen unterschiedlich großen Steine in ein fast schon mystisches Licht. Unterstützt wurde diese Stimmung noch von der völligen Abwesenheit irgendwelcher Geräusche. Vollkommen still stieg die Sonne immer höher und änderte damit auch die Lichtstimmung nahezu im Minutentakt. Ich setzte mich auf einen Felsen und versank in diesem Farbenspiel.

Als ich anschließend wieder am Auto ankam, machte ich allerdings eine unangenehme Überraschung: Meinem rechten Hinterrad ging ein wenig die Luft aus. Die Ursache konnte ich auf die Schnelle nicht feststellen und das Auto war auch noch fahrbereit. Aber trotzdem sollte sich das zügig jemand ansehen. Ich überschlug meine Optionen. Da es bis zur nächsten Ortschaft Tennant Creek noch gute 100 km waren, fuhr ich zuerst zum Zeltplatz zurück, bei dem es auch eine Tanke gab (eigentlich war es eher eine Tankstelle mit Zeltplatz). Dort pumpte ich den Reifen nochmals ordentlich voll und fuhr nach Tennant Creek.

Die 100 km bis dahin war ich etwas angespannt, doch bald kamen die Häuser ins Blickfeld. Erfreulicherweise gab es dort auch einen Reifenservice. Und ungefähr 12 Minuten, nachdem ich dort vorgefahren war, hatte ich auch schon wieder ein komplett fahrtüchtiges Auto. Der Mechaniker machte nicht viel Federlesen. Reifen abmontieren, Nagel entfernen, Loch verschließen, Reifen aufpumpen und wieder montieren. Fertig! Da wird das heute ja doch noch was mit meiner Ankunft in Darwin.

Doch bis dahin waren es noch fast 1.000 km. Also hieß es mal wieder, ab ins Auto und den Tacho entspannt bei 130 km/h einpegeln (im Northern Territory darf man 130 km/h fahren, während in den anderen Bundesstaaten Australiens die Höchstgeschwindigkeit 110 km/h beträgt). Da ich jetzt nun nicht mehr in Ost-West-, sondern in Süd-Nord-Richtung unterwegs war, konnte man gut die sich langsam wandelnde Landschaft beoabachte. Je näher ich Darwin kam, umso mehr ging die klassische Outback-Landschaft zurück, die mich seit Rockhampton begleitet hatte. Die braun, orange und ocker-Töne durchmischten sich nun vermehrt mit dem Grün der Bäume und Sträucher des eher tropischen Nordens Australiens.

Als ich endlich in Darwin eintraf, war es bereits dunkel und ich war auch recht kaputt. Daher steuerte ich direkt das Hostel an, in dem ich dann auch Michael antraf. Wir hatten uns in einem Melbourner Hostel getroffen und waren in Kontakt geblieben, da wir beide ungefähr zeitgleich Australiens Norden erkunden wollten. Erfreulicherweise hatten uns unsere Reisepläne hier in Darwin wieder zusammengeführt, so dass die gemeinsame Erkundungsfahrt starten konnte. Zuvor brauchte ich aber dringend eine gute Mütze Schlaf. Gute Nacht!

4 Antworten

  1. Rüdi
    | Antworten

    Hi Robert,

    Mann, wo Du alles rum kommst! ich dachte die Reise wäre vorbei, sorry: wollte Deiner Abenteuerlust nicht zu nahe treten. . .

    • Robert
      | Antworten

      Hallo Rüdi,

      ja, die Reise ist auch vorbei. Ich bin nur in den letzten Wochen nicht zum Bloggen gekommen. Das wird jetzt aber Stück für Stück nachgeholt. :-)

      Viele Grüße

      Robert

      PS: Und ich komm in den nächsten Einträgen noch ein ganzes Stück weiter rum. ;-)

  2. Jens
    | Antworten

    Hi Robert, bist Du in Australien schon Imkern und Bienen begegnet? Oder gar Velohonig? ;)

    Viele Grüße, gute Reise!
    jens

    • Robert
      | Antworten

      Hallo Jens,

      nein, ich bin in Australien keinen Imkern begegnet und hab auch keinen Velohonig gesammelt. Hängt aber vermutlich auch damit zusammen, dass ich mit dem Auto unterwegs war. ;-)

      Viele Grüße

      Robert

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