Bibbulmun Track: Von Kalamunda nach Dwellingup
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Bibbulmun Track: Von Kalamunda nach Dwellingup

gepostet in Geschichten, Ozeanien | 4

Wie versprochen, fährt mich Dave am nächsten Morgen zum nördlichen Startort des Bibbulmun Tracks. Dieser liegt in Kalamunda, östlich vom Zentrum von Perth. Auf der Fahrt gleiten wir fast ins Philosophische ab und sinnieren über unterschiedliche Lebensentwürfe und die Bedeutung von Geld für das persönliche Glück. Ein interessantes Gespräch, was offenbar uns beiden Spaß macht. Und so muss ich Dave versprechen, ihn zu informieren, wenn ich wieder in Perth bin.

Doch nachdem Dave gefahren ist, gilt nun die ganze Aufmerksamkeit dem Track. Was macht man also, bevor man auf 1000 km Wanderschaft geht? Richtig, erstmal noch etwas essen! Praktischerweise befindet sich gleich neben dem Trackterminus ein großer Supermarkt. Ich erstehe zwei Avocados und einen Krautsalat und stärke mich so für die ersten Kilometer.

Dann noch schnell das obligatorische Startfoto gemacht und schon bin ich auf dem Weg. Da es bereits 13 Uhr ist und ich es langsam angehen will, habe ich mir heute nur die ca. 12 km bis zur ersten Shelter Hewitts Hill vorgenommen.

Der Rucksack wiegt schwer mit Nahrungsmitteln für acht Tage, aber der Weg ist breit und gut markiert. Die rote Erde ergibt einen schönen Kontrast zum Grün der Bäume und dem Blau des Himmels. Überflüssig zu erwähnen, dass auch die Sonne mitspielt und vom Himmel strahlt.

Und so geht es entspannt den Weg entlang, der stetig abwärts führt. Plötzlich wird es steiler und der Pfad leitet mich in ein kleines Tal hinab. Hier unten ist es schattiger und kühler. Und natürlich folgt kurz darauf auch wieder der Aufstieg, der mir die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Offenbar mache ich gerade Bekanntschaft mit den Perth Hills, durch die der Track in seinem Nordteil verläuft.

Doch es scheint, der Bibb, wie der Track in Kurzform genannt wird, wollte nur mal kurz seine Muskeln spielen lassen. Denn die folgenden Kilometer sind bestenfalls gewellt, eher flach. Und so stehe ich plötzlich vor einem kleinen Schild, auf dem eine Hütte abgebildet ist. Ich habe die Hewitts Hill Shelter erreicht.

In der Shelter haben sich bereits Julie und Beverly einquartiert, doch es ist noch ausreichend Platz für mich. Wir erzählen viel und lauschen den Vögeln, die in der Abenddämmerung für fast eine Stunde ein vielstimmiges Konzert geben. Ich komme mir vor wie in einer exotischen, riesigen Freiluftvoliere, als die Kakadus und anderen Vögel ihren Gesang abstimmen. Ein ungewohnter Klang für europäische Ohren.

Der nächste Morgen beginnt mit Teil zwei des Konzertes. Da man bei dem Lärm nicht schlafen kann, bin auch ich schon früh auf den Beinen und bereits um 7:30 Uhr auf dem Weg. Ich hole Julie, die vor mir aufgebrochen war, am Mundaring Weir wieder ein. Das ist ein Damm, der Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde, um von hier dringend benötigtes Wasser in die 600 (!) Kilometer entfernten Goldgräberstätten zu pumpen. Eine ingenieurtechnische Meisterleistung!

Von dort geht es zur nächsten Hütte Ball Creek, wo ich meine Mittagspause einlege. Da die Sonne nun ganz ordentlich vom Himmel brennt, kommt nach der Pause auch wieder mein Sonnenschirm zum Einsatz. Der Weg hingegen ist breit, eben und sehr gut markiert. Kurz gesagt sehr einfach.

Er führt auch durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, die erstaunlich schnell wechselt. Mal durch lichten Mischwald mit üppigen Unterholz, mal durch Graslandschaften mit weit auseinander stehenden Bäumen, mal durch Nadelwald mit kleinen, dunnen Bäumen. Und so wird es nicht langweilig, da es immer etwas zu sehen gibt. Leider noch keine Tiere, außer eine Vielzahl lästiger Fliegen, die mich auf Schritt und Tritt begleiten.

Die nächste Shelter Helena ist ebenfalls schnell erreicht und da es gerade einmal 14 Uhr ist, nehme ich auch noch den Weg zur nächsten Hütte Waalegh in Angriff. Der Weg dorthin ist nun wieder etwas beschwerlicher, da es stärker auf und ab geht. Doch letztlich ist auch das geschafft und ich erreiche Waalegh, die ich für mich habe.

Die Hütte liegt landschaftlich sehr schön und so genieße ich einen wunderbaren Sonnenuntergang. Für die Nacht allerdings baue ich in der Shelter mein Moskitonetz auf. Wenigstens während des Schlafes möchte ich Ruhe vor Fliegen und Mücken haben! Denn bereits jetzt sehen meine Beine aus, als hätte ich Masern. Vom Jucken gar nicht zu reden!

Auch am nächsten Tag bleibt der Weg einfach. Er führt mich über größtenteils breite Pfade zur Brookton Shelter. Unterwegs passiert nicht viel, doch am Abend zeichnet sich ab, dass meine Pinzette zu einem sehr wichtigen Ausrüstungsstück für mich werden wird. Zecken! Große und kleine. Von jetzt an sammele ich jede Pause und jeden Abend mehr oder weniger von den Viechern von mir runter. Zum Glück trage ich lange Sachen (schon wegen der Sonne), was den Zecken die Sache wenigstens etwas schwerer macht. Schön ist es trotzdem nicht.

Von der Brookton Shelter geht es zur Monadnocks Shelter. Erneut passiert nicht viel. Bis jetzt habe ich bis auf Julie und Beverly keine anderen Wanderer getroffen. Doch dafür treffe ich auf etwas anderes: Mein erstes Känguru! Mit einem Grashalm im Maul hüpft es ca. 30 Meter vor mir über den Weg und bleibt genauso verblüfft wie ich stehen. Mir bleibt gerade genug Zeit für ein Foto, bevor es seine Fassung wieder gefunden hat und tiefer in den Wald hinein hüpft.

Auch in der Monadnocks Shelter bleibe ich alleine. Zumindest, wenn man von den üblichen Fliegen und Mücken absieht. Doch am nächsten Morgen bereite ich mich gerade auf meinen Aufbruch vor, als kurz nacheinander ein einzelner Mann und ein Pärchen zur Shelter kommen.

Wir unterhalten uns nett und es stellt sich heraus, dass das Pärchen den Track schon mehrfach gelaufen ist. Sie geben uns anderen beiden eine Menge Tipps, die ich mir gar nicht alle merken kann. Vor allem auf Mount Cooke soll ich aufpassen, nicht den falschen Abzweig zu nehmen., schärfen sie mir ein.

Dann laufe ich wieder los. Aufgrund von Frühnebel, der sich bis zum Mittag hält, ist es angenehm kühl. So sind die anstehenden beiden Hügel etwas leichter zu bewältigen. Anschließend wird es für ein Zwischenstück wieder etwas flacher, bevor es rauf auf Mount Cooke geht.

Und natürlich nehme ich den falschen Abzweig. Der vermeintliche Weg ist in der Ferne so gut erkennbar, dass ich die aus Stein geformten Pfeile auf dem Boden übersehe. Eine halbe Stunde später stehe ich wieder an gleicher Stelle und biege diesmal richtig ab.

Doch die wirklich lieblich gelegene Nerang Shelter entschädigt mich für die umsonst gelaufenen Meter. Das Beste an ihr: Keine Fliegen, keine Mücken! Keine Ahnung wieso, aber es ist mir auch egal. Endlich kann ich mal wieder ungestört und ohne Eile mein Essen zu mir nehmen. Als ich bereits im Schlafsack liege, guckt ein kleines Tier (vielleicht ein Opossum?) vorbei und schaut nach, ob ich auch wirklich alles aufgegessen habe. Habe ich und so zieht es enttäuscht wieder von dannen.

Von der Nerang Shelter geht es zur Gringer Creek Shelter. Hier könnte man 2 km zu einer Raststätte (Roadhouse) laufen, doch da ich alles nötige dabei habe, spare ich mir den Weg. Stattdessen laufe ich zur White Horse Hills Shelter weiter.

Der Track präsentiert sich dabei wie in den vergangenen Tagen auch. Es geht auf meist breiten Pfaden durch unterschiedliche Formen von Wald und ab und zu mal einen Hügel rauf bzw. wieder runter. Die Markierung ist in diesem Abschnitt sehr dünn, so dass ich mehrfach einfach auf Verdacht dem Pfad folge. Doch letztlich findet sich immer ein gelbes Dreieck mit schwarzer Schlange, dass den Bibbulmun Track kennzeichnet.

Auch die White Horse Hills Shelter liegt sehr schön in der Nähe einer kleinen Lichtung. Leider sind diesmal auch wieder Mücken und Fliegen vor Ort. Unnötig zu erwähnen, dass ich wieder der einzige Mensch in der Umgebung bin. Doch am Infoboard der Shelter findet sich der Hinweis, dass bei meiner für morgen geplanten Shelter Chadoora eine größere Gruppe Station macht, die Wandern auf dem Bibbulmun Track mit Teambuilding Aktivitäten verbindet. Das verspricht ja interessant zu werden!

Doch zunächst heißt es am nächsten Tag nach einigen flachen Kilometern hoch auf Mount Wells. Der Berg ist zwar ebenfalls nicht sonderlich hoch, aber da es mal wieder sehr warm ist, ist es eben doch recht anstrengend. Oben befindet sich mit der Mount Wells Shelter die einzige geschlossene Shelter auf dem Track. Ich finde sie jedoch nicht sonderlich anziehend und bin froh, dass ich noch weiter will.

Allerdings treffe ich hier auch den 68-jährigen Kanadier Charles, der in die entgegengesetzte Richtung unterwegs ist. Wir tauschen unsere Erfahrungen aus, bevor ich meine Wasservorräte an den Wassertanks der Shelter aufstocke und weiter ziehe.

Jede Shelter verfügt über mindestens einen, meist aber zwei große Wassertanks, die das Regenwasser vom Shelterdach auffangen. Das ist auch bitter nötig, denn natürliche Wasserquellen sind sehr selten bzw. liegen meist trocken. Und so sind die Tanks unverzichtbar für die Versorgung mit dem kühlen Nass.

Der weitere Weg zur Chadoora Shelter vergeht wie im Flug, wobei ich dabei auch einem Echidna über den Weg laufe. Eine Art Mischung aus Igel und Stachelschwein. Der kleine Kerl ist allerdings von unserer Begegnung gar nicht begeistert und versucht deshalb schnellstmöglich zu entkommen. Aber erstens ist er nicht sonderlich flink und zweitens passt er unter dem Baumstamm gar nicht durch, so dass er drunter stecken bleibt.

An der Shelter ist zur Abwechslung mal richtig was los. Die angekündigte Gruppe ist wirklich vor Ort und besteht aus ca. 20 Personen. Die vier Teams bekommen den ganzen Abend von ihrem Coach Aufgaben gestellt, die es in sich haben. So müssen sie zum Beispiel nach Aborigines-Art aus einem Stock, Holzkohle, Baumharz, Kängurukot sowie Quarzsplittern und mit Hilfe des Lagerfeuers ein Messer bauen. Selbiges kommt dann in der nächsten Übung gleich zum Einsatz um sich durch ein Gewirr aus Angelsehnen zu kämpfen.

Ein sehr interessanter Abend, der auch Raum für einige spannende Gespräche lässt. Erstaunlich, wie viele Australier bereits in Europa waren! Als ich allerdings höre, dass für die Gruppe der Wecker bereits um 5:00 Uhr klingelt, hole ich mir meine Ohrstöpsel aus dem Rucksack.

So schlafe ich dann auch ungestört durch und werde erst nach Aufbruch der Gruppe wach. Dann mache aber auch ich mich auf die letzten 20 Kilometer nach Dwellingup. Der Weg ist nun richtig einfach, da es größtenteils auf Forststraßen entlang geht. Und so komme ich bereits um 12:30 Uhr in dem kleinen Örtchen an.

Der Rest des Tages folgt nun der klassischen Stadtroutine. Ich checke im örtlichen Campingplatz ein, der auch einfache Zimmer für Wanderer anbietet, erledige meinen Einkauf für die nächste Etappe nach Collie und wasche sowohl mich als auch meine Kleidung mal wieder richtig durch. Ein sauberer Abschluss für die erste Etappe des Bibbulmun Track!

4 Antworten

  1. Mary Ellen Morris
    | Antworten

    Hi Robert,
    I can’t believe you’re already back on another long trail, at least it’s a bit shorter than the AT, but hotter and drier. I guess you can add „end-to ender“ to your credits when you’ve conquered the „Bibb“! Hopefully you’ll meet more hikers on the way for company & tips, especially as the towns are further apart than the AT. Good luck and I hope the mosquitos ease up!

    Mary Ellen

    • Robert
      | Antworten

      Hi Mary-Ellen,

      Yep, I am already back on track! ;-) Well, it is only a 1000 km (621 miles) and the walking is far easier than the AT. Unfortunately, there are not that many people around. But the towns are actually in quite a convenient distance from each other (3-5 days). So it is fun! :-)

      Robert

  2. Pillow
    | Antworten

    Hallo Robert,
    was für eine schöne neue Frischluftgeschichte! Die Fotos sind echt richtig gut und geben einen tollen Einblick in die Welt rund um den „Bibb“. Vor allem um das Känguru beneide ich dich! Aber auch sonst scheinst du ja immer mal wieder interessanten Tieren zu begegnen – abgesehen von den Mücken und Fliegen.

    Die Shelter sehen alle sehr sauber und groß aus? Macht auf den Bildern einen guten Eindruck. Insgesamt wirkt der Track mit seinen Wegen sehr „aufgeräumt“. Stimmt das oder täuscht der Eindruck? Und dann interessiert mich noch, wie groß die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind?

    Wünsche dir weiterhin viel Spaß auf den „letzten Metern“ des „Bibbs“! Viele liebe Grüße,
    Pillow

    • Robert
      | Antworten

      Hallo Philipp,

      Ja, macht durchaus Spaß hier zu wandern. Und obwohl es größtenteils bislang wieder durch Wald geht, ist dieser doch nicht nur aufgrund der Tiere ganz anders als in Amerika.

      Die Shelter sind wirklich ziemlich komfortabel. Sie sind alle ziemlich neu, genau wie der Track. Auffallend und erfreulich ist, das ich bislang nur sehr, sehr wenige Ritzungen und Schmierereien gesehen habe. Das verstärkt natürlich noch den sauberen Eindruck. Groß sind sie auch, obwohl sie alle über einen überdachten Tisch mit Sitzgelegenheiten verfügen. Das nimmt dann wieder ein wenig Platz weg. So gesehen können vermutlich auch nicht mehr Leute darin schlafen als auf einer typischen Shelter auf dem Appalachian Trail.

      Der Track selber macht wirklich einen sehr aufgeräumten Eindruck. Das liegt aber vor allem daran, dass er größtenteils auf breiteren Wegen verläuft. Wenn es auf klassischen Waldwanderwegen entlang geht, wachsen auch schon mal Äste und Zweige von Büschen oder Sträuchern in den Weg hinein.

      Was die Temperaturunterschiede angeht, so betragen diese zwischen 15 und 20 Grad zwischen Tag und Nacht. Es kühlt bei Sonnenuntergang allerdings nicht schlagartig ab, so dass die größte Differenz sich in tiefer Nacht ergibt, wo man ja meistens im Schlafsack liegt. Morgens ist es allerdings manchmal wirklich erstaunlich kühl. jedoch wärmt die Morgensonne ziemlich zügig, so dass es bald angenehm wird. In der Mittagshitze ist es wiederum manchmal fast schon zu heiß, obwohl es offiziell noch Frühling ist.

      Viele Grüße

      milkmonsta

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